Archive for Von der Tribüne

Gestern, im Autokorso …

Hast du mich eigentlich nicht gesehen, ich habe doch gehupt?

Keine Einwürfe zugelassen

Komplexe Komplexe

Diese Flaggendiskussion ist ja teilweise ebenso merkwürdig (um mal das unsägliche „typisch deutsch“ zu vermeiden) wie das Phänomen bemerkenswert.

Darf man das, als Deutscher einfach so mit Flagge rumlaufen und fröhlich sein? Wird man gleich zum Patrioten oder gar Nationalisten, wenn man es trotzdem tut? Und was wäre an Patriotismus auch ausserhalb von Bayern schlimm? Ist im Grunde nicht bereits die Frage albern, ob man darf?

Klar, man kann (und muss) einiges kritisieren an dieser WM. Die Erosion von Bürgerrechten unter dem Deckmantel der Sicherheit, die Kommerzialisierung mit all ihren Auswüchsen, …

Aber gleich eine Genderdebatte, weil es ja eine „Männer-WM“ ist? Eine Rassimus-Diskussion, weil es auch in deutschen Stadien ein paar Idioten gibt, die ihr Primatentum öffentlichkeitswirksam kommunizieren müssen?

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(2) Einwürfe

WM ist…

… wenn Stephan Weidner, Ex-Kopf der „Böhsen Onkelz“, zusammen mit alten Bekannten aus der Frankfurter Hooligan-Szene …

Eine Palette BOB und eine nette Ansprache löste schließlich die anfängliche Verkrampfung und der Song bekam durch die Hools die Authentizität, die ein solcher Titel haben muss.

… eine „stadionkompatibel“ Fußball-Hymne namens „Unser Stadion – Unsere Regeln“ veröffentlicht, die heute neu auf Platz 59 in die deutschen Single-Charts eingestiegen ist.

Keine Einwürfe zugelassen

Kabala a la Balla-Balla

Bei der Eröffnungsfeier wurde der Text der deutschen Nationalhymne bekanntlich auf der Videotext-Tafel 888 zum Mitsingen veröffentlicht. 8 mal 88 also. Mithin achtmal Hitlergruß. Oder zweimal 444, also DdD: ‘Deutschland den Deutschen’. Heute hat die WamS „33 Gründe, die WM zu lieben“, im Blatt. Aufgemerkt, nun also: 33! Gründe! Die Einschläge kommen also näher, die Zeichen sind schon überall. Seit `74 ‘Großdeutschland’ Weltmeister wurde. Das kann kein Zufall sein, oder?

Hier eröffnet sich ein sehr schön bescheuerter Ansatz zur nazi-esoterischen Zahlenmystik in Sachen WM. Für all’ diejenigen, die zwischen Wewelsburg und Externsteinen schweben.

Keine Einwürfe zugelassen

Instrumentalisierte Begeisterung

Vielleicht ist es ja alles ganz harmlos. Das mit den Flaggen. Vielleicht ist die WM-Euphorie einfach nur der lange überfällige Beweis, dass wir Deutschen auch abseits von Karneval, Schützenfesten und Loveparade begeisterungsfähig sind.

Feiern nicht unbedingt um des Feierns willen, oder weil zur WM bekanntlich allgemeine Fröhlichkeit angeordnet wurde, sondern aus einer echten inneren Begeisterung heraus. Für das Spiel und die große Party drumherum.

Eine Begeisterung ohne dumpfnationale Hintergedanken, einfach nur „rührend“ und „absolut nicht bedrohlich“, wie Hermann van Veen im Nachtmagazin der ARD meinte.

Und dann das:

Fahnenkult

Unionspolitiker fordern Staatsbeflaggung zur WM

Politiker von CDU und CSU haben die Bundesregierung aufgefordert, bis zum Ende der Fußball-WM Staatsbeflaggung in Deutschland anzuordnen. [...]

Berlin – Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble solle dem Beispiel der patriotischen Fans folgen und eine Staatsbeflaggung anordnen, forderte der CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer in der „Bild“-Zeitung. [...]

weiter bei Spiegel Online.

(2) Einwürfe

WM ist…

…wenn Fußbälle eingenetzt werden (Gerhard Delling, gerade eben).

Eingenetzt, nicht etwa eingenetzert* oder eingenä… ok, der ist mir nun zu blöd.

*Wenn das hier ein Fußballblog wäre, würde ich nun noch auf diesen lesenswerten Artikel in der RUND hinweisen, wo die Einflußnahme der Bild-Zeitung auf die Nationalelf und die Problematik der als unabhängig präsentierten ARD-/ bzw. ZDF-Experten Netzer und Beckenbauer bzgl. ihrer gut dotierten Tätigkeit als Bild-Kolumnisten thematisiert wird. Ist es aber nicht. Hat ausserdem schon das Bildblog getan.

(2) Einwürfe

Verdammt kritische Tageszeitung

Die taz ist ja berüchtigt für ihre schonungslos kritische Haltung, für unbequeme Fragen, für den Finger in der Wunde – die taz ist quasi die Claudia Roth unter den Tageszeitungen.

Jetzt sich die taz der ‘Frage des Tages’ angenommen: „Darf man Kindern Deutschland-Fähnchen kaufen?“

Einwurf (1)

Invasion der Patrioten

Heute Fußi in Kreuzberg geguckt. In einer schönen Location, dem Lido. Erst drinnen auf Großleinwand Deutschland gegen Costa Rica. Dann draußen Ekuador gegen Polen. Schöner Laden, nettes Ambiente. Bier eindeutig zu teuer (0,33/2,50).

«Wie ihr bemerkt habt, gibts hier bei 11 Freunde keine Werbung», sagte der Mensch von eben jenem Fußballmagazin. Soso. Die Sinnbefreitheit des Satzes sorgte für Gelächter im Publikum.

Eine Freundin mit Migrationshintergrund freut sich: hier beim Fußball würden die Deutschen endlich mal Emotionen zeigen. Stimmt. Hier lassen sie die Sau raus. Singen die Nationalhymne. Mitten in Kreuzberg. Klar, nicht alle. Sondern ein Drittel. Aber keine Pfiffe dazwischen. Ich bin verblüfft. Viele Menschen mit Deutschen Fahnen. Erstaunlich viele Frauen. Lauter Torjubel. ‘schland-’schland-Rufe. Erstaunlich viele Frauen. Applaus. Entsetzen. Applaus. Entsetzen. Frenetischer Jubel. Berlin am Abend des 9. Juni 2006.

(2) Einwürfe

Endspurt: Die sicherste WM der Welt!

Torsten meinte, ich solle noch einen etwas persönlicheren Einstieg formulieren und nicht einfach nur darauf hinweisen, dass die taz am Samstag mit einem WM-Dossier (maßgeblich unterstützt vom Bielefelder FoeBuD e.V., wie ich hörte) zum Nestbeschmutzer wurde. Gerne doch.

Liebe Fußballfreunde und Überwachungsgegner,

in der taz vom Samstag gab es ein Dossier zur Sicherheit bei der WM. Genau, das Thema, was viele inzwischen nervt und andere noch mehr. Kann man aber trotzdem mal reinlesen, finde ich:

http://www.taz.de/pt/2006/06/03/a0124.1/text

Von Sicherheitschecks, Personendateien, REMO, LIMO, AUMO und Co. – Oder warum man mit Pech nicht ins Stadion kommt, wenn man mal an einer Demo teilgenommen hat.

http://www.taz.de/pt/2006/06/03/a0121.1/text

„Ich wäre dankbar, wenn Sie sich mit mir … dafür einsetzten, dass Videografie zur Fußballweltmeisterschaft im größtmöglichen Umfang genutzt wird.“ — Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in einem Brief an seinen bayerischen Kollegen Günther Beckstein

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