Archive for Spülberichte

Fußball über-all(es)

In der irrigen Annahme, wenigstens in meinem Lieblings-Park an der Alster vom ubiquitären Balltreter-Wahnsinn verschont zu bleiben, machte ich mich gestern mit nem leckeren Eis in der Hand auf den Weg in Richtung Hayns Park. Doch bereits nach kurzer Zeit wurden meine Hoffnungen zerstört: Im kleinen Pavillion in der Mitte der Grünfläche hatten sich ein gutes Dutzend biertrinkende End-Zwanziger mit Klappstühlen eingefunden, um genau dort ihrer Passion zu frönen.

das park-publikum

Moment mal.. Fussball? Fernsehen? Mitten im Park? Wie soll denn das gehen? Ja, das dachte ich mir auch. Bis sich bei näherer Betrachtung dann herausstellte, dass zwischen zwei Säulen des Pavillions ein großer Flachbildschirm auf einem klapprigen Tischchen thronte.

ueberall-fernseher

Mit Strom versorgt wurde das Heiligtum von einem kleinen Benziner-Aggregat, welches 10 Meter weiter im Gebüsch vor sich hin surrte..

benziner-aggregat

Also kurz die Knipse rausgeholt, das ganze Leiden einmal kurz bildlich festgehalten und schnell weg.

(2) Einwürfe

Kultur statt Kerner

Rund um die Fußball-WM findet ein großes kulturelles Begleitprogramm statt. Doch seht selbst:
Desdemona

Nach der Übertragung der Fußballspiele schließt sich im VorWien nahtlos die Aufzeichnung von Otello an. Zum Glück allerdings ohne Soundübertragung, dafür mit Untertiteln. Eine Sache kann noch optimiert werden: Die Ton-Bild-Schere. Da geht noch was – entweder stirbt Otello beim nächsten mal schneller, oder Axl Rose muss schneller singen. Auf jeden Fall bespaßender als Talkrunden mit Beckmann oder Baptist.

Keine Einwürfe zugelassen

Invasion der Patrioten

Heute Fußi in Kreuzberg geguckt. In einer schönen Location, dem Lido. Erst drinnen auf Großleinwand Deutschland gegen Costa Rica. Dann draußen Ekuador gegen Polen. Schöner Laden, nettes Ambiente. Bier eindeutig zu teuer (0,33/2,50).

«Wie ihr bemerkt habt, gibts hier bei 11 Freunde keine Werbung», sagte der Mensch von eben jenem Fußballmagazin. Soso. Die Sinnbefreitheit des Satzes sorgte für Gelächter im Publikum.

Eine Freundin mit Migrationshintergrund freut sich: hier beim Fußball würden die Deutschen endlich mal Emotionen zeigen. Stimmt. Hier lassen sie die Sau raus. Singen die Nationalhymne. Mitten in Kreuzberg. Klar, nicht alle. Sondern ein Drittel. Aber keine Pfiffe dazwischen. Ich bin verblüfft. Viele Menschen mit Deutschen Fahnen. Erstaunlich viele Frauen. Lauter Torjubel. ‘schland-’schland-Rufe. Erstaunlich viele Frauen. Applaus. Entsetzen. Applaus. Entsetzen. Frenetischer Jubel. Berlin am Abend des 9. Juni 2006.

(2) Einwürfe

Stadionkontrolle: Nackt unter Fremden

Lawblogger Udo Vetter hat das Opfer einer reichlich entwürdigenden Stadionkontrolle interviewt, über die ich hier vorgestern berichtete.

law blog: Wie haben Ihre Freunde reagiert?

Corinna F.: Die dachten zuerst, ich will sie auf den Arm nehmen. Die Männer wurden nämlich alle nur abgetastet. Im Stadion trafen wir dann eine andere Frau, die auch im Zelt war. Die hat die erste Halbzeit nur geheult.

law blog: Wie fühlten Sie sich?

Corinna F.: Erniedrigt und beschmutzt. Auch heute noch. Ich verstehe immer noch nicht, wieso man es nicht beim Abtasten belassen konnte. Das war eine große Demütigung. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen mal überlegen, was sie empfinden würden, wenn ihnen so etwas passiert. Oder vielleicht ihren Kindern.

(Das gesamte Interview gibt es im law blog)

Woher die Netzeitung ihren Bericht hat, bzw. warum eine fast identische Fassung am Tag vor der Veröffentlichung in einem Webforum gepostet wurde (normalerweise ist das ja eher umgekehrt) weiß ich allerdings immer noch nicht.

Keine Einwürfe zugelassen

Bonn-am-Ball

Unter diesem Motto steht während der diesjährigen WM die Großbildübertragung auf dem Bonner Münsterplatz. Die Hausherren der unmittelbar angrenzenden Münsterbasilika kritisierten die Veranstaltung. Sie befürchteten, dass das Fantreiben die täglichen katholischen Kirchenroutinen störe. Erst Anfang Mai einigten sich die gegnerischen Mannschaften auf ein Regelwerk, das ein friedliches Miteinander ermöglichen soll: die Veranstalter verzichten auf Übertragungen während der Sonntagsmessen, die Kirche verlegt im Gegenzug Abendmessen in andere Kirchenräumlichkeiten. Ein „Beschallungskonzept“ wurde vereinbart.

Die Übertragungen finden im Rahmen der „Südkurve Deutschland“ statt. Wie auch in acht anderen Städten wurde ein Konzept entwickelt, möglichst authentische Stadionatmosphäre durch den Aufbau einer Tribüne zu erreichen. Ob dies möglich ist wird sich zeigen, früher gab es weniger aufwendige Großbildübertragungen einfach so, dieses neue Konzept muß sich natürlich finanzieren. Die Preise sind aber zum Glück moderat wenn es nicht gerade das VIP Paket mit Buffet sein soll.

Heute hatte ich die Gelegenheit den Standort während der Aufbauphase unter die Lupe zu nehmen:

suedkurve1.png

Das Großbilddisplay. Verlängerung »

(7) Einwürfe

Public Viewing: Gestatten, Franz-Stock-Platz, Paderborn.

Habe ich mir dann doch nicht nehmen lassen, kurz mal auf dem Franz-Stock-Platz vorbeizuschauen, wo heute der „WM-Biergarten“ der Stadt Paderborn eröffnet wurde. Und, wie sich das so gehört, natürlich mit Verspätung.

Eigentlich sollte es um 19:00 Uhr losgehen. Als ich mir um 19:30 Uhr klar wurde, dass mein Kühlschrank leer und der dritte Döner des Tages eine schlechte Idee ist, diskutierten die Organisatoren noch mit den Anwohnern. Von wegen Lärmbelästigung und Co.

Achso, die Bilder, ich hatte ja Bilder versprochen:

Verlängerung »

(3) Einwürfe

Müssen sich unverdächtige Fans nackig machen?

Erst der zweite Tag und ich missbrauche das Blog schon für eine billige Rechercheanfrage. Unmöglich, mein Verhalten. Egal, ich habt ja auch was davon.

Wer in diesem Tag aufmerksam durchs Netz klickt, ist evtl. schon auf die Geschichte aufmerksam geworden, zum Beispiel gestern in der Netzzeitung:

Fans müssen Hosen runterlassen
06. Jun 12:14, ergänzt 12:35

Ein Gericht hat die Polizei zu drastischen Maßnahmen bei WM-Spielen befugt. Bei einer 16-Jährigen Stadionbesucherin hatten die Beamten hart durchgegriffen.

Es folgt eine recht detaillierte Beschreibung über die entwürdigende Behandlung, bei der sich die 16-Jährige u.a. fast komplett entkleiden musste.

Verlängerung »

(6) Einwürfe

Public Viewing in der Padermetropole

„Public Viewing“, das Miteinander von Menschenmassen vor einer Großbildleinwand, ist bei der Fußball-WM ja sicherheits- und hysterietechnisch das ganz große Ding. Irgendein Bedrohungsszenario findet sich immer, keine Maßnahme zur Terrorabwehr schien im Vorfeld der WM zu absurd.

Öffentliche Plätze großflächig abriegeln? Mehrere Sicherheitszonen? Die Bundeswehr in den Innenstädten? Warum nicht? Sicher ist sicher!

Nun, sollen sie machen, betrifft mich nicht. Mein Verlangen bei einer Großveranstaltung mit zehn- oder mehr tausend Menschen vor einer Leinwand zu stehen und mich kollektiv zu begeistern, hält sich erfahrungsgemäß in überschaubaren Grenzen. Nicht mein Ding.

Verlängerung »

Einwurf (1)

Nach dem Spiel »