Vergesst das mit den Flaggenbildchen. RTL (bitte keine Fragen) zerrte gerade einen Kaufmann aus Rheda-Wiedenbrück vor die Kamera, der sein komplettes Haus für 5000 Euro in „schwarz-rot-geilen“ Stoff- oder Kunststoffbahnen eingeschlagen hat.
Wohnt zufällig jemand in Rheda-Wiedenbrück, der uns ein paar Bilder für’s Blog schicken kann? Sonst fahre ich nächste Woche selber rüber, so weit es von Paderborn ja nicht.
Gerade hat Kroatien gegen Brasilien verloren, sagte man mir. Und weil das mit dem Fußballspielen nicht ewig geht (manch einer merkt das zu spät), sollte man sich rechtzeitig Gedanken um das Leben danach machen.
So wie dieser Kroate sich offenbar jetzt schon ein zweites Standbein aufbaut. Weil mans so schlecht lesen kann: Robert Kovac – Gas, Wasser, Scheiße (sinngemäß). Einmal Ausputzer, immer Ausputzer. Geknipst am Samstag von Roland in Kreuzberg.
Michael Ballack tanzt aus der bundesnationalgefärbte Reihe und entzieht sich durch Tragen eine „Italia“-Shirts dem von der Bild befohlenen „Schwarz-Rot-Geil!“ -Rausch!
Ob Ballack nach diesem Vorfall noch für das deutsche Team tragbar ist, wird der Bild-Experte und Fußballbundestrainer Jürgen Klinsmann noch am heutigen Abend auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz bekannt geben.
Ähnlich wie beim Karneval eignet sich eine Fussball-WM im eigenen Lande vorzüglich dazu, sich mit Alkohol und komischen Klamotten lächerlich zu machen, wie dieses Foto beweist:
Nun habe also auch ich mich mit einer Mannschaft solidarisieren können. Und das nach dem gestrigen Erlebnis! Auf dem Weg nach Darmstadt musste ich, wie das bei der Reise mit dem Zug eben so ist, einen Zwischenstopp in Frankfurt einlegen. Die Stadt, in der gestern ein Spiel stattfinden sollte. Das war mir vorher gar nicht bewusst, wurde mir dann aber doch ganz schnell klar, als ich all die fußballfanatischen, grölenden, pfeifenden Menschen sah. Menschen, die Deutschland- und vor allem Englandfahnen als Umhang trugen, die Unmengen an Fußballschminke im Gesicht hatte, Hüte mit Flaggen drauf, Schlappen mit Flaggen drauf – Flaggen, wohin das Auge blickt. Zwischen all dem Trubel Kamerateams und Polizei. Es war nicht mal 11 Uhr und ich zuerst etwas ängstlich. Das aber legte sich recht schnell. Ich beneidete die Menschen sogar ein bisschen, die gleich einem Fußballspiel beiwohnen und feiern werden, während ich im Darmstädter Landesmuseum sieben Stunden lang Gemälde anstarren muss. Daher wohl der spontane Schweißbandkauf. Um ein bisschen teilzuhaben. Und England fand ich – in jeglicher Hinsicht – schon immer toll.
In der irrigen Annahme, wenigstens in meinem Lieblings-Park an der Alster vom ubiquitären Balltreter-Wahnsinn verschont zu bleiben, machte ich mich gestern mit nem leckeren Eis in der Hand auf den Weg in Richtung Hayns Park. Doch bereits nach kurzer Zeit wurden meine Hoffnungen zerstört: Im kleinen Pavillion in der Mitte der Grünfläche hatten sich ein gutes Dutzend biertrinkende End-Zwanziger mit Klappstühlen eingefunden, um genau dort ihrer Passion zu frönen.
Moment mal.. Fussball? Fernsehen? Mitten im Park? Wie soll denn das gehen? Ja, das dachte ich mir auch. Bis sich bei näherer Betrachtung dann herausstellte, dass zwischen zwei Säulen des Pavillions ein großer Flachbildschirm auf einem klapprigen Tischchen thronte.
Mit Strom versorgt wurde das Heiligtum von einem kleinen Benziner-Aggregat, welches 10 Meter weiter im Gebüsch vor sich hin surrte..
Also kurz die Knipse rausgeholt, das ganze Leiden einmal kurz bildlich festgehalten und schnell weg.
Wer auf einem „public viewing“ nicht unangenehm auffallen will, braucht neben bedingungloser Begeisterungs- oder Leidensfähigkeit und einer angemesser Fankostümierung selbstverständlich auch ein Fähnchen in Landesfarben, das er zur Unterstützung des eigenen Teams oder befreundeter Trinksportler schwenken kann.
Warum die ältere Dame vor mir gleich 6 Stück kaufte, habe ich dann aber doch nicht gefragt. Sicher für ihre Enkel.
Wem ein „Schoko Fußball“ in Originalgröße für 5,99 Euro noch nicht reicht, bekommt bei Rewe ein dekoratives Schiedsrichterset dazu: Schwarze Trillerpfeife am Band, inkl. Fußballaufkleber zur Erläuterung des Verwendungszwecks, dazu je eine rote und eine gelbe Karte. Großartig, oder?