Kinder, nicht drängeln!
Sanitätshaus Schulze, das führende Fachgeschäft für Rollstühle und Bandagen auf der Wiener Straße, öffnet ab morgen seine Tore, um Fahnen der ausgeschiedenen Mannschaften zu verkaufen. Pünktlich sein!

Sanitätshaus Schulze, das führende Fachgeschäft für Rollstühle und Bandagen auf der Wiener Straße, öffnet ab morgen seine Tore, um Fahnen der ausgeschiedenen Mannschaften zu verkaufen. Pünktlich sein!

Ha, meine Drohung scheint Früchte zu tragen: heute hatte niemand an die U-Bahn-Haltestelle gekotzt. Und auch sonst: WM scheint Normalzustand geworden zu sein. Nach zwei Wochen Dauerglotzen sind die Linien immer noch weiß, der Schiedsrichter im Zweifel ‘ne Pfeife und der Ball rund. Doch die WM-Euphorie scheint etwas verflogen zu sein.
Ob es was damit zu tun hat, dass die deutsche Mannschaft nun nur noch maximal vier Spiele haben wird? Ich hab das Gefühl, dass sich alles etwas verlangsamt. Heute konnte ich in einer ordinären Fußballkneipe in aller Ruhe, ohne durch menschliche Körper erzeugte Hitze nah am Fiebertod zu nagen, Italien gegen Tschechien gucken. Außer mir waren noch zehn andere Zuschauer da. In einer Kneipe, in der sonst ab dem Achtelfinale des UEFA-Cups die Hölle los ist.
Alle im Pausenmodus? Warten auf die großen Kracher? Ich bin mir nicht sicher. Und mich beschleicht das Gefühl, dass heute nur halb so viele Deutschlandfähnchen auf Autos herumfuhren. War irgendwas?
Nach den eher persönlichen Kümmernissen gibt es aber auch noch eine Sache, die mir inzwischen richtig auf den Senkel geht.
Kaum ein Zeitungsartikel oder Interview mit grobem Thema WM kommt noch ohne „lustige“ Wortspiele aus.
Beispiel gefällig? Wochenspiegel von Mittwoch, den 21.6.:
„Fröhlich-friedliche Fußball-Feste
[...] kam es nur zu kleineren „Fouls“ [...] zeigten sich die Fans spielfreudig und konditionsstark [...] Bei den Spielen waren die Fans in voller Besetzung angetreten. Für einige Schlachtenbummler, die auf Zeit gespielt hatten, ergaben sich vor dem Tor aber keine Möglichkeiten mehr [...] Die Fußballanhänger gingen in den Straßen der Paderborner Innenstadt in die Verlängerung [...] jubelnd, lautstark und ausgelassen den Spielbericht zu vermelden [...] die sofort und konsequent durch uniformierte „Schiedsrichter“ geahndet wurden. Nachdem diese die „Rote Karte“ gezeigt hatten, wurde den Rowdies Gelegenheit gegeben, auf der harten Ersatzbank des Polizeigewahrseins Platz zu nehmen. [...] müssen jetzt mit Spielsperrungen rechnen [...] verlegten ihre Offensivbemühungen vor das Western-Tor [sic] [...] Das führte zu einem Überzahlspiel der Fußballerschar, das die motorisierten Verkehrsteilnehmer für rund eine Stunde nicht mehr ins Spiel kommen ließ [...] daß die für den motorisierten Verkehr bestimmten Spielflächen wie Strafräume behandelt werden [...] Hier kann ein Elfmeter ganz schnell zum Eigentor werden. [...] ins Abseits spielen [...]“
Wer es nicht erkannt hat: Es ging um die gestern hier gezeigten Fanblockaden am Westerntor und die Ankündigung der Polizei, in Zukunft härter durchzugreifen. Nicht, daß es möglich wäre, ohne richtig Stress zu provozieren…
Jedenfalls würde ich es sehr begrüßen, wenn nicht jeder Redakteur sich plötzlich für einen Komiker halten würde.
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Arghh. Was für ein elendes, taktisches Scheißspiel. Von wegen: Neuauflage eines Klassikers. Von wegen: ‘Saison in van der Vaart gekommen’. Allein, daß der den hat spielen lassen ..
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Irrer Fan
Ziemlich gewagt für alte Leute isses natürlich, mitten in der Woche auffm letzten Drücker nach Limburg zu düsen, also in unser tiefergelegtes Nachbarland meerseitig, um das Spiel zu begucken – wo wir denn eigentlich schon seit Nachmittag hätten da sein müssen. Sofern Zeit gewesen wäre. Aber die Bahn wird frei sein und wir pünktlich; klar, gut daß ich nicht fahre; und jetzt muß ich meine Sonnenbrille gegen meine Klarsichtbrille tauschen, schnell, schnell, alles so dunkel hier, ich hoffe, ich finde die.
WM ist, wenn in der Wortspielhölle alle Synonyme verbrannt sind und man die Brasilianer erstmals als ‘Zuckerhüter’ bezeichnet.
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…wenn Jürgen Klopp, Trainer des 1. FSV Mainz 05 und erfrischend direkter* WM-Experte des ZDF, sich darüber freut, mit 70.000 Fans im Stadion mal die eigene Hymne „von der ersten bis zur letzten Strophe singen zu können“.
Johannes B. Kerner stellte umgehend auf Schnappatmung um: „Nur die dritte, wir singen … “
*Die FAZ hat die bestellte ultimative Lobhudelei auf Klopp inzwischen auch online, vielen Dank.

Selbst bei Feinkost Plue kein Renner: Wenn der Neger Fleischfarbenes bewirbt
Mit einem Einsatz von neun Euro, vor dem Eröffnungsspiel gezockt, super kompliziert gesetzt, auf Gewinner und Torsummen in Gruppen und so, auf Anraten meines Kumpels Matts, mehrere Myriaden Euro gewonnen. OK, ich muß natürlich ein Sechstel für den Tip abgeben, alternativ hätte ich den dreifachen Einsatz bezahlen müssen. Interessanterweise soll das ein Modell gewesen sein, das auf gelernte Versicherungsmathematiker zurückgehen soll, aber das sagt ja jeder in der Statistik — der Landeshauptstadt, in der jeder cooler Zocker sein will: Jetzt kaufen die Versicherungsmathematiker, versehen mit dem Input von dem Katastrophentip, die ganze Welt auf, damit Deutschland Weltmeister wird. Und die Quoten sinken. – „Es wird böse enden“, HST.
Aber trotzdem schweinegeil. Und seltsam.
Das ist doch total lächerlich mit der Zockerei, solange das läuft. Und ich versteh’ nix davon, das ist das Beste!
Unglaublich, Deutschland, England macht mich reich! Hatte ich noch nie.

Ihr seht England gegen Schweden in der 52. Spielminute.
Nein, das ist kein Foto des Stadions aus acht Kilometer Entfernung – ich habe schlicht einen „sichtbehinderten Sitzplatz“ erwischt. So ähnlich wie dieser, den ich heute in einer Kölner Newsgroup fand.

…kann man ein wenig aus den Google-Statistiken ersehen. Wie zum Beispiel die Kick-Dich-Statistiken, die schön säuberlich auflisten, was die Besucher bei uns suchen.
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…zu unterstellen, dass sich die Produktknippser von Quelle ein Vorrundenaus der deutschen Elf gewünscht haben.
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