Nachschlag: Was vom Fußball bleibt
Gerade bin ich heimgekommen. In dieser Stadt (Berlin) feiert Grün, Weiß und Rot. Um es klar zu sagen: Die italienische Nationalmannschaft hat 70 Minuten lang kein bisschen Fußball gespielt. Ich war nach dem Elfmeterschießen – eigentlich schon vorher – stinksauer. Eine mittlere Frechheit, was dort geboten wurde – nachdem die erste Halbzeit ein Fußballleckerbissen war. Italien spielte ab der 46. Minute frei nach Rocko Schamoni „Wir müssen eine Mauer bauen“…
Es tut mir leid für Zizou, dessen Genialität leider auch wie so oft nah am Wahnsinn lag. Maradona, Gascoigne, Cantona, Zidane: die größten Fußballer gehen oft unrühmlich. Talent ist latent, Ballstreichler sind häufig auch Gegnertreter.
Doch von dieser WM wird einiges bleiben. Die Welt zu Gast bei Freunden? Nun ja. Viele Gäste haben sich für die Gastfreundschaft mit Mittelmäßigkeit bedankt.
„Es gibt keine kleinen mehr“? Tunesien, Costa Rica und manch andere Nationalmannschaft haben uns das voller Inbrunst demonstriert.
Schiedsrichter? Umstritten, wie eh und je. Oft wenig souverän. Frankreich hat im Finale einen Elfmeter verweigert bekommen. Italien stand dort nur aufgrund eines eher zweifelhaften ebensolchen gegen Australien.
Überhaupt, Australien. Die Soccerooos gehörten für mich zu den positiven Überraschungen. Gemeinsam mit den sympathischen Ballartisten von der Elfenbeinküste. Ob wir sie jemals wiedersehen werden?
In Deutschland bleibt nun erst einmal ein Loch zurück. Sollen wir uns wirklich die fünf Stunden einer Tour de France-Bergetappe in Kneipen betrinken um am Ende Sekundenabstände zu zählen und zu schauen, welcher fahrenden Apotheke bunte Trikots übergestreift werden? Ich werde darauf jedenfalls weitestgehend verzichten. So wie die meisten Deutschen nun wohl auch wieder ihre Schwarogo-Devotionalien wieder im Waffenschrank verschließen können. Oder Flaggen zu Bekleidungsstücken umnähen. Ich freu mich jedenfalls jetzt auch, dass der Spuk vorbei ist.
WM war.. schön, anstrengend, eine Woche zu lang für meinen Geschmack. Danke an alle Mitblogger/-leser/-kommentatoren.