Rasenschach

Von den vielen Worten und Unworten dieser Fußball-WM hat mir „Rasenschach“ am besten gefallen. Es war in der Finalrunde oft, öfter als erwünscht, zutreffend. Da krebsen zwei Mannschaften halbzeitenlang umeinander rum, „beschnüffeln“ sich, „zollen einander Respekt“ oder spielen schlichtweg „defensiv“. Für Taktiker ein Augenschmaus, für WM-Kurzzeitbegeisterte langweilig. Zumindest, bis das erste Tor fällt. Das Bauernopfer gegen die Langeweile. Ab dann wirds meist wieder offensiver; torgefährlicher, wie man so schön sagt. Trotzdem: „Rasenschach“ ist ein passendes Bild.

Im Gegensatz dazu der „Geheimtipp“. Selten inflationierte ein Begriff schneller als der „Geheimtipp“ in der Vorrunde der WM. Jede Mannschaft, die kein Favorit war, war ein Geheimtipp. Außer Holland vielleicht, die von vielen als „Geh-Heim-Tipp“ bezeichnet wurden. Aber sonst waren alle WM-Erstlinge Geheimtipps. Und kein Ende in Sicht, schließlich bleiben von der Tour de France auch nur noch Geheimtipps übrig, nachdem in Spanien die geheimen Armutszeugnisse aller Favoriten gefunden worden sind.

Und ein Wort, das mir in der Berichterstattung absolut unterrepräsentiert scheint, ist „wundersame Genesung“ oder so. Wie oft winden sich touchierte Fußballer in höllengleichen Qualen auf der Wiese, nur um nach dem nicht erfolgten Pfiff wieder aufzustehen? Und wie oft rücken die Helferlein mit der Trage an, um den Spieler zum Feldrand zu tragen, wo er wie von Miraculix’ Zaubertrank beseelt wieder von der Trage springt? Schöne Schauspielerei. Aber gehört dazu, hab ich mir sagen lassen.

Comments are closed.