DFB-Pressekonferenz: Phoenix für alle
Ich bin ja passionierter Phoenix-Gucker. Ansprachen, Podiumsdiskussionen, Pressekonferenzen – das alles hat so etwas beruhigendes. Die Leute tauschen Phrasen aus, jeder kennt die Spielregeln und manchmal erlauben sich die Herren und Damen auf dem Bildschirm sogar kleine Spiele – natürlich inenrhalb der ungeschriebenen Regeln eines Phoenix-Ereignisses. dieses Feeling wird jetzt auch der Normalbevölkerung vermittelt – dank der fast täglichen Übertragung der DFB-Pressekonferenz.
Ich genieße diese Übertragungen. Man muss nicht genau hingucken, das Ritual beansprucht keine Aufmerksamkeit. Eine Tribüne, ein Mediendirektor, ein Trainer und noch ein Spieler als Ablöse. Es funktioniert genau im Prinzip genau so, wie die Phoenix-Pressekonferenzen. Jeder weiß, was er so fragen darf, der Humor ist sorgfältigst dosiert und man lässt ab und an etwas Menschlichkeit durchblitzen. Nicht zu viel. Und doch hat die DFB-Pressekonferenz ein paar eigene Regeln. Spannend finde ich, dass der Bundestrainer anscheinend keine Nachnamen mehr hat. Alle nennen ihn nur noch Jürgen, auch diejenigen, die ihn noch siezen.
Nett eingeleitet diese Fragen immer mit dem öffentlichen Outing des Fragestellers: Herr XY vom Bad Herpoldinger Tagesblatt, Herr AB von der Frankfurter Allgemeinen… Man muss schon was fragen, damit man im Fernsehen kommt. Nichts gehaltvolles, schließlich sehen Millionen zu. Das hilft den alten Aberglauben zu bekämpfen, nur die Fußballer selbst würden kuriose Zitate ablassen. Jürgen, Sind Sie abergläubisch? Wie gefällt Ihnen Berlin, Jürgen? Wollen Sie gewinnen, Jürgen? Werden Sie gewinnen, Jürgen?