Gastbeitrag: Wuppertal – Köln
Eine der kleinen Geschichte am Rand der WM, vielleicht schon zu wahr um es auch zu sein. Vielen Dank an Peter Grabowski:
Ich pendele täglich zwischen Wuppertal und Köln. Als drei Kroaten und ein Mexikaner im Zug auf den Ausgang Ghana-USA wetteten und ihre Handynummern zwecks Schuldeinlösung austauschten, sekundiert von einem Angolaner und einem Tunesier (wenn ich mir das hätte ausdenken wollen, ich wär’ nicht drauf gekommen), habe ich mich dazu gesellen müssen. Ich wurde überschüttet mit Dankesbekundungen für die großartige Zeit in Deutschland, das fantastische Bahnnetz, die große Freundlichkeit der Schaffner, die kalten Getränke, die hübschen Mädchen, die lockere Atmosphäre.
Die Afrikaner fanden, ihren Ländern würde (nicht im Fußball) etwas mehr Zuverlässigkeit im Alltäglichen gut tun, weniger Bürokratie bräuchten und dass sie diesen blöden Minderwertigkeitskomplex los werden müssten. Der Mexikaner fand, dass Deutschland leider zu weit weg sei, dann müssten nicht so viele seiner Landsleute in die „prüden USA“ flüchten und alle beneideten die Kroaten, weil sie wegen der EU hier so problemlos hinkämen (und wieder zurück).
Am Ende (kein Witz) sangen sie „Oh wie ist das schön“ und „Viva Colonia“, um mich zu verabschieden und versprachen, den Rest ihres Lebens gut über Deutschland zu reden. Ich war ein bisschen gerührt, hab’ mich ein bisschen geschämt und mir selbst geschworen, nie wieder einen Cent Steuern zu hinterziehen. Und dann dachte ich auf dem Weg nach Hause, dass ich dieses Erlebnis auch Franz Beckenbauer verdanke. Und jetzt muss ich zumindest lächeln, wenn ich ihn sehe.
webcat72 said,
June 25, 2006 @ 16:09
Schön :-)
… Das ist ein bisschen, wie die Tschechen, die mich bei Ihrer Eishockey-Weltmeisterschaftsfeier letzten Sommer auf dem Wenzelsplatz in Prag vom Fleck weg adoptiert haben, trotz Geständnis, das ich von Eishockey keinen Plan habe und nicht mal weiss, wie ihr Star-Torschütze heisst :-)
machmal klappts halt doch mit der Verbindung durch Sport. Dann taugt er was, finde ich.
bergpfl said,
June 25, 2006 @ 18:53
Ich vermute, das war Schalke-Peters Wahnansicht, um die Müngstener Brücke zu überleben. Hihi.