Mehr Müller-Wohlfahrt
Mit einer Sommererkältung, leichtem Fieber wälze ich mich auf meiner Couch mit Aussicht. Träge hebe ich den Kopf, sehe dem Geschehen auf der Straße zu. Kaum Verkehr – Achtelfinale.
Und doch: da ist ein Fußballfan auf einem Fahrrad. Mit einem weiß-schwarzen Trikot fährt er die Straße herunter und ahnt nichts Böses. Plötzlich kommt von halb-links ein Lieferwagen. Wohl von der Post: gelb mit blauer Aufschrift. Kaum habe ich ihn wahrgenommen hat er sich schon an den Fahrradfahrer rangemacht und grätscht ihn von hinten. Einen Sekundenbruchteil später liegt der Fahrradfahrer auf dem Boden.
Foul! denke ich. Warum pfeift da keiner? Mit schmerzverzerrtem Gesicht wälzt sich unser deutscher Radfahrer auf dem Asphalt. Dann geschieht das Unfassbare. Vom Bordstein löst sich ein kleiner Trupp mit einer Trage. Sie knien sich neben den Verletzten, der den Arm über sein Gesicht geschlagen hat. Wird er je wieder laufen können?
Die Trage wird abgesetzt, ein Mann spricht kurz mit dem Verletzten. Der windet sich noch etwas im Staub, dann legt der Fremde seine Hände auf sein Bein. Keine fünf Sekunden später steht der Radfahrer wieder auf. Noch etwas wacklig setzt er sich aufs Fahrrad und fährt weiter. Die Sanitäter verschwinden wieder an den Spielfeldrand. Und warten auf den nächsten Zusammenstoß.
Ich nehme eine Aspirin und lege mich schlafen.