Michael Ballack tanzt aus der bundesnationalgefärbte Reihe und entzieht sich durch Tragen eine „Italia“-Shirts dem von der Bild befohlenen „Schwarz-Rot-Geil!“ -Rausch!
Ob Ballack nach diesem Vorfall noch für das deutsche Team tragbar ist, wird der Bild-Experte und Fußballbundestrainer Jürgen Klinsmann noch am heutigen Abend auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz bekannt geben.
von Igor. June 12, 2006 um 11:59
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Ob sich mein Leben während der WM-Zeit irgendwie verändert hat? Nö. Frühstuck war zum Beispiel wie jeden Montag: Müllermilch (ok, mutig aufgelegt war ich heute und griff zu Erdbeer) und ein Kaffee beim Starbucks. Zugegeben, die Schlange war länger und bunter (also blau und gelb). Bilder habe ich leider keine, weil die etwas verwackelt geworden sind. Ihr wisst schon, vor dem ersten Kaffee.
Ähnlich wie beim Karneval eignet sich eine Fussball-WM im eigenen Lande vorzüglich dazu, sich mit Alkohol und komischen Klamotten lächerlich zu machen, wie dieses Foto beweist:
Mancherorts scheint sich die Deutschtümelei während der WM auf ganz wunderbare Weise von selbst zu erledigen, so dass wohl keine Überaffirmation der Kommunikationsguerilla es besser zustande brächte.
Darüber hinaus allerdings kann die momentane Allgegenwärtigkeit der Deutschland-Fahnen nur als Aufforderung an aufrechte Demokraten gelesen werden, das Flaggenmaterial als heimeligen Feuerwerkskörper ästhetisch aufzuwerten. Die Verbrennungen deutscher Flaggen häufen sich derzeit in meinem Umfeld also ganz natürlicherweise und ja durchaus durch ihre erhöhte Präsenz in den letzten Tagen (warum eigentlich? ist irgendwas los in der Stadt?) provoziert. Wie ich vergnügt beim Hauptstadtblog lese, verteidigt sogar meine direkte Friedrichshainer Nachbarschaft (Hauptstadtblog: „offensichtlich linksautonome Vollpfosten„) in der Rigaer Straße ihren Titel. (Wenn ich auch natürlich eine solch inumane Militanz, Deutschlandfahnenschwenker „mit Wasserbomben“ anzugreifen, nicht gutheißen kann. Das weckt bei mir nur Kriegserinnerungen.)
Um der ästhetischen Katharsis des allgegenwärtigen Artefakts Deutschlandfahne ganz im Sportsgeist der WM materiell auf die Sprünge zu helfen, haben sich inzwischen mehrere sportliche Wettbewerbe zur Flaggenschnitzeljagd gebildet, von Karlshorst bis zur Selbstmordparty. Wobei, so sicher bin ich mir nicht, was mit den solcherart aufgehäuften Flaggenvorräten angefangen werden soll. Man muss ja nicht gleich kokeln. Letzten Sonnabend sah ich bspw. in der Parkaue Lichtenberg eine sehr viel weniger destruktive Umwidmung, indem man einfach den goldenen/gelben Streifen entfernte und solcherart den übrigen Rest zu einer heimelig schwarz-roten Anarchosyndikalistenfahne formte. Das ist doch schon viel weniger destruktiv.
Während einer solchen Katharsis-oder-Umwidmungs-Zeremonie könnte man dann die Zeremoniengesichtsbekleidung von Meister Schnurr („don’t go to Germany without one!„) (via weißnichtmehr) tragen und dazu die Ballermann-6-Weltmeister-Hits spielen. (Weil. Dieser YouTube-WM-Hit „Ten German Bombers“ vom antideutschen torsun, der von der Kopfzeile seines Blogs so liebenswert dem unbedarften Surfer zuprotest, hat es, wie NPD-Blog und taz berichten, tatsächlich auf eben jene Ballermann-6-WM-Compilation geschafft. Toll, nicht?)