Kaufe Brasilien, verkaufe Togo
Ich bin ausgebildeter Volkswirt. Schweres Schicksal. Während der Nutzen der Betriebswirtschaft spätestens bei hohem n-tv-Konsum jedem sofort eingeht, die Naturwissenschaft uns mit täglich benötigten Dingen wie der Relativitätstheorie versorgt hat, sind Volkswirte irgendwie nutzlos. Wir schieben Diagramme und Zahlen umher und dürfen ab und zu sagen, dass die Politik alles falsch macht. Das stimmt zwar dann im Ergebnis, aber die Vorhersagen der Wirtschaftsforscher sind ja auch nicht viel besser als die der Politiker.
Wahlbörsen sind die Ehrenrettung der Wirtschaftswissenschaften. Wenn man nämlich die Theorien vom wirtschaftlich rationalen Menschen auf den Kopf stellt, klappt das System recht gut: lässt man nämlich die Marktmechanismen für sich arbeiten, stimmen die Vorhersagen plötzlich.
Wie funktioniert es? Teilnehmern wird ein Gewinn versprochen, wenn sie ein Ergebnis richtig vorhersagen, die Spielregeln orientieren sich aber nicht an einem Wettbüro, sondern an einem Aktienmarkt: man kauft Parteianteile ein und stößt sie bei schlechten Aussichten ab. Über den Endpreis wird das vorhergesehene Ergebnis errechnet – und die Prognosen stimmen plötzlich. Im letzten Wahlkampflagen die Wahlbörsen näher am Ergebnis als die professionellen Meinungsforscher.
Kann man das Prinzip auf die Fußball-WM übertragen? Das Handelsblatt versucht es, und auch die Kölner Universitätist etwas schmucklos mit am Start. Kann das Prinzip auch bei Sport-Turnieren funktionieren? Sind die Millionen Bundestrainer besser dran als die Millionen T-Aktionäre? Auf dem Rasen wird es sich zeigen.
