Archive for June 9, 2006

Stadionkontrolle: Nackt unter Fremden

Lawblogger Udo Vetter hat das Opfer einer reichlich entwürdigenden Stadionkontrolle interviewt, über die ich hier vorgestern berichtete.

law blog: Wie haben Ihre Freunde reagiert?

Corinna F.: Die dachten zuerst, ich will sie auf den Arm nehmen. Die Männer wurden nämlich alle nur abgetastet. Im Stadion trafen wir dann eine andere Frau, die auch im Zelt war. Die hat die erste Halbzeit nur geheult.

law blog: Wie fühlten Sie sich?

Corinna F.: Erniedrigt und beschmutzt. Auch heute noch. Ich verstehe immer noch nicht, wieso man es nicht beim Abtasten belassen konnte. Das war eine große Demütigung. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen mal überlegen, was sie empfinden würden, wenn ihnen so etwas passiert. Oder vielleicht ihren Kindern.

(Das gesamte Interview gibt es im law blog)

Woher die Netzeitung ihren Bericht hat, bzw. warum eine fast identische Fassung am Tag vor der Veröffentlichung in einem Webforum gepostet wurde (normalerweise ist das ja eher umgekehrt) weiß ich allerdings immer noch nicht.

Keine Einwürfe zugelassen

Mitbestimmung beim Pizzataxi, der Praxistest.

Mal ausprobieren, die Sache mit dem Lieferzeitpunkt,)

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(4) Einwürfe

Flagge zeigen.

Die Hoffnung, wenigstens hier, in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, von der grassierenden Flaggenmanie verschont zu bleiben, kann ich auch abschreiben.

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Sind diese Plastikhalter für Seitenscheiben eigentlich autobahnfest? Ich glaub’s ja eher nicht.

(5) Einwürfe

Ein lautes Stöhnen geht durch Marburg

Da war es eben. Ein lautes Stöhnen – oder doch eher ein verhaltener Aufschrei? Auf jeden Fall signifikant lauter als alles andere, was da draußen gerade ist. Denn da draußen ist nichts. Bis eben war alles seelenruhig (und mittlerweile ist es das auch wieder). Die Straßen scheinen menschenleer. Sehr ungewöhnlich für Marburg, denn sonst besetzen die verschiedensten Musikanten die Passagen, Kinder kreischen oder Stöckelschuhe klackern durch die Oberstadt. Nach dem Schrei fällt es mir dann wieder ein: Fußball! WM! Was sagte mein Mitbewohner doch gleich, als ich ihn gestern zum Thema befragte? Um 18 Uhr ist das erste Spiel? Von ihm weiß ich übrigens auch, dass Deutschland gegen Costa Rica spielt und dass es einen Poldi gibt und David Beckham ja nur ein doofer Popstar ist. Auf einen WM-Gewinner wollte er sich nicht festlegen, stattdessen lieferte er mir eine lange Aufzählung an Teams und Ländern, die alle stark sind. Nach gefühlten zwei Stunden waren seine Ausführungen am Ende und ich ebenfalls.
Der Tag ging aber heute schon WM-gerecht los: Bei einem Blick in den Spiegel traute ich meinen Augen kaum, denn auf meiner rechten Wange identifizierte ich den Abdruck eines kleinen Fußballs. Verschlafen und verkatert wie ich war, brauchte ich verhältnismäßig lange, um herauszufinden, dass ich wohl auf meinem bestempelten Handrücken geschlafen habe. Ich vollführte eine einsame La Ola-Welle vor dem Spiegel und ging duschen.

Einwurf (1)

WM ist…

[17:16] [SpeimaneX] wie schlecht ist das, im porsche boxster mit deutschland-fahne und pur aus den boxen durch die gegend fahren …

Keine Einwürfe zugelassen

Kaufe Brasilien, verkaufe Togo

Screenshot WM-Börse

Ich bin ausgebildeter Volkswirt. Schweres Schicksal. Während der Nutzen der Betriebswirtschaft spätestens bei hohem n-tv-Konsum jedem sofort eingeht, die Naturwissenschaft uns mit täglich benötigten Dingen wie der Relativitätstheorie versorgt hat, sind Volkswirte irgendwie nutzlos. Wir schieben Diagramme und Zahlen umher und dürfen ab und zu sagen, dass die Politik alles falsch macht. Das stimmt zwar dann im Ergebnis, aber die Vorhersagen der Wirtschaftsforscher sind ja auch nicht viel besser als die der Politiker.

Wahlbörsen sind die Ehrenrettung der Wirtschaftswissenschaften. Wenn man nämlich die Theorien vom wirtschaftlich rationalen Menschen auf den Kopf stellt, klappt das System recht gut: lässt man nämlich die Marktmechanismen für sich arbeiten, stimmen die Vorhersagen plötzlich.

Wie funktioniert es? Teilnehmern wird ein Gewinn versprochen, wenn sie ein Ergebnis richtig vorhersagen, die Spielregeln orientieren sich aber nicht an einem Wettbüro, sondern an einem Aktienmarkt: man kauft Parteianteile ein und stößt sie bei schlechten Aussichten ab. Über den Endpreis wird das vorhergesehene Ergebnis errechnet – und die Prognosen stimmen plötzlich. Im letzten Wahlkampflagen die Wahlbörsen näher am Ergebnis als die professionellen Meinungsforscher.

Kann man das Prinzip auf die Fußball-WM übertragen? Das Handelsblatt versucht es, und auch die Kölner Universitätist etwas schmucklos mit am Start. Kann das Prinzip auch bei Sport-Turnieren funktionieren? Sind die Millionen Bundestrainer besser dran als die Millionen T-Aktionäre? Auf dem Rasen wird es sich zeigen.

Keine Einwürfe zugelassen

Flagge zeigen (?)

Früher, als ich noch auf Demos ging, was lange her ist, früher also, da gab es auf eben jenen Demos eine Parole, die mit viel Inbrunst gerufen wurde: „Deutsche Patrioten, alles nur Idioten!“, wobei die verdächtige Nähe der Parole zum ungelenken Kinderreim seinerzeit keinem so recht auffallen wollte.

Blickt man nun dieser Tage in einen beliebigen Prospekt, so könnte man schnell meinen, dass die Industrie, die sich jüngst rund ums Patrioten-Merchandising herausgebildet hat, diesen Spruch geradezu verinnerlicht hat. Wer beherzt in die schwarz-rot-goldene Auslage greift, kann sonderlich geistig helle nun wirklich nicht sein, dies zumindest vermittelt das Angebot und dessen Präsentation:

gartendelirium01

gartendelirium02

So tiefpreisig hat man sich schon lange nicht mehr zum Löffel gemacht.

Von einiger Deliranz auch das folgende Sitzgerät. Ein unverkrampftes Verhältnis zur eigenen Nationen haben, heißt offenbar, auch mal seinen Arsch auf Schwarz-Rot-Gold parken zu können, wenn WM ist:

Sitz

Schwarz-rot-goldenes Toilettenpapier wurde hingegen noch nicht gesichtet. Dafür im Baumarkt aber weiße Deckfarbe in großen Behältern, die deutlich schwarz-rot-golden für sich wirbt. Zu hoffen bleibt freilich, dass der Zeltplatz-Sitzpatriot, der beim vorangegangen Angebot bereits zuschlagen musste, beim Erwerb der Farbe auch bedenkt, dass schlichtes Weiß beim Vorhaben, die eigenen vier Wände noch kurzerhand patriotisch zu gestalten, nur sehr begrenzt von Nutzen ist.

Viel wurde im Feuilleton vorab gemunkelt. Über Patriotismus und Nationalismus, und mitten drin Herr Matussek, Chef des Ressorts Patriotismus Kultur beim „Spiegel“. Hier wurde gewarnt vor Gefahren, dort wurden Neurosen im Umgang mit dem eigenen Land bemäkelt. Wie so oft bei feuilletonistisch aufgeblasenen Schaumereien verflüchtigt sich die Diskussion im Angesicht der realen Gegebenheiten: Ein Patriotismus, der in solchem Gewand daherkommt, verfolgt vor allem das notwendige Projekt der Lächerlichmachung seiner selbst.

[Mit Dank an einzelne Community-Mitglieder bei filmforen.de für die Hinweise]

Einwurf (1)

WM ist…

…wenn in Köln Budweiser ausgeschenkt wird.

(4) Einwürfe

High hopes

High hopes

Mein Hinterhof hatte mich bisher mit seiner Trostlosigkeit belustigt. Sonst sind die einzigen Farbtupfer die Decken, die als Gardinenersatz in die Fenster geklemmt werden. Heute morgen ist er pünktlich zum Eröffnungsspiel beflaggt worden.

(4) Einwürfe