WM ist…
…manchmal bitter.
[23:14] [Buztee] heut gab’s bei lidl 6 flaschen bier, ne tüte flips und eine d-flagge für 99 cent
…manchmal bitter.
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Habe ich mir dann doch nicht nehmen lassen, kurz mal auf dem Franz-Stock-Platz vorbeizuschauen, wo heute der „WM-Biergarten“ der Stadt Paderborn eröffnet wurde. Und, wie sich das so gehört, natürlich mit Verspätung.
Eigentlich sollte es um 19:00 Uhr losgehen. Als ich mir um 19:30 Uhr klar wurde, dass mein Kühlschrank leer und der dritte Döner des Tages eine schlechte Idee ist, diskutierten die Organisatoren noch mit den Anwohnern. Von wegen Lärmbelästigung und Co.
Achso, die Bilder, ich hatte ja Bilder versprochen:
Man stelle sich vor: man betreibt ein gutes Dutzend Fernseher und die WM kommt auf anderen Kanälen. Was bietet man seinem Publikum an? Solide Hausmannskost.
Gute Zeiten für Tatort-Fans: während der WM kommt wirklich an jedem Tag mindestens ein Tatort im ARD-Programm, manchmal sogar zwei bis drei. (Mich störts nicht. Ich persönlich mag die Tatorte aus Münster, Kiel, Bremen, Stuttgart und manchmal auch aus Leipzig.)
So kommen auch WM-Hasser auf ihre Kosten: Alles guckt Endspiel, aber ich guck Tatort. Auch wenn der sich um Fußball dreht!
Erst der zweite Tag und ich missbrauche das Blog schon für eine billige Rechercheanfrage. Unmöglich, mein Verhalten. Egal, ich habt ja auch was davon.
Wer in diesem Tag aufmerksam durchs Netz klickt, ist evtl. schon auf die Geschichte aufmerksam geworden, zum Beispiel gestern in der Netzzeitung:
Fans müssen Hosen runterlassen
06. Jun 12:14, ergänzt 12:35Ein Gericht hat die Polizei zu drastischen Maßnahmen bei WM-Spielen befugt. Bei einer 16-Jährigen Stadionbesucherin hatten die Beamten hart durchgegriffen.
Es folgt eine recht detaillierte Beschreibung über die entwürdigende Behandlung, bei der sich die 16-Jährige u.a. fast komplett entkleiden musste.
Guter Witz, und fast noch neu. Falls es aber doch passiert, das man in die public viewing area oder Kneipe ohne eigenes Zutun hineingezogen wird, ist guter Rat teuer. Das man statt Bionade Bier trinkt, ist schnell herausgefunden, aber wie dann weiter?
Billig Punkte sammelt man zum Beispiel, wenn man die Mannschaft schnell erkennt, worauf man sich an geeigneter Stelle vorbereiten kann. Ansonsten gilt wie im Internet: Erstmal meckern, dann klappt das schon mit dem Expertenstatus.
Irritierend ist es, im Wohnzimmer zu sitzen, vertieft in die Vorbereitungen eines 90minütigen Multimedia-Vortrags, dann aber auf- und also durch’s Fenster zu blicken und dabei festzustellen, dass das Hotel gegenüber die letzten Minuten dazu genutzt hat, allerlei Flaggen außen an die Fenster anzubringen. Ich blicke wieder in den Monitor und schaue kurz darauf erneut aus dem Fenster: Es sind mehr geworden. So geht das weiter, im Minutentakt. Irgendwann hängt ein halbes Dutzend dieser Nationalsymbole da draußen. Wie sie dahingekommen sind, habe ich nie gesehen. Fast schon gespensterhaft, spooky things are happening behind your back.
Endlich mal wieder ein neues Wort gelernt, das so harmlos daherkommt, seine ganze Pracht erst im entsprechenden Kontext entfaltet. Die Verrichtungsbox. Dem Bilde von stern.de nach zu urteilen, handelt es sich um Verrichtungspferdeställe (logisch, in NRW gibt es ja mehr Pferde als Menschen).
In der Netzeitung findet sich eine nette Darstellung der Bandbreite pädagogischer, polizeilicher und marketingtechnischer Maßnahmen für Fußballfans, die vor, während oder nach dem Spiel auch mal mit ihren Bällen spielen wollen.
Mein Favorit ist
24-Stunden-Telefonotruf zur WM unter der Nummer 08000/111777 an, der mit etwa 20 Ordensfrauen aus sechs Ländern besetzt ist.
Unter prevent-racist-attack.org findet sich in mehrsprachiger Ausführung ein kleines Anschreiben und eine Zusammenfassung mit als Vorschlägen gedachten Handlungsaneisungen, damit der körperliche Zustand der WM-Besucher, die nicht dem WASP-Schema entsprechen, beim Rückflug etwa dem des Hinflugs entspricht:
Wir hätten gerne umfangreichere Informationen und eine technisch besser ausgestattete Webseite angeboten. Wir arbeiten jedoch alle ausnahmslos ehrenamtlich und erhalten keinerlei Förderung. Deshalb sind unsere zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten begrenzt.
Spiegel fasst das nochmal unter „Reisewarnung zur WM – Ganz Ostdeutschland ist für Dunkelhäutige gefährlich“ zusammen.
Derweil bleibt man im konsularischen Bereich dem üblichen Vokabular verhaftet:
Domestic extremist groups, supporting various political causes, may attempt to disrupt the World Cup through demonstrations or other activities. A variety of demonstrations and physical violence have been attributed to right-wing and left-wing extremist groups and individuals in the past.
Permalink Keine Einwürfe zugelassen
„Public Viewing“, das Miteinander von Menschenmassen vor einer Großbildleinwand, ist bei der Fußball-WM ja sicherheits- und hysterietechnisch das ganz große Ding. Irgendein Bedrohungsszenario findet sich immer, keine Maßnahme zur Terrorabwehr schien im Vorfeld der WM zu absurd.
Öffentliche Plätze großflächig abriegeln? Mehrere Sicherheitszonen? Die Bundeswehr in den Innenstädten? Warum nicht? Sicher ist sicher!
Nun, sollen sie machen, betrifft mich nicht. Mein Verlangen bei einer Großveranstaltung mit zehn- oder mehr tausend Menschen vor einer Leinwand zu stehen und mich kollektiv zu begeistern, hält sich erfahrungsgemäß in überschaubaren Grenzen. Nicht mein Ding.
…und fragt nach einer kurzen Einführung für die Fußballweltmeisterschaft. Also eine Beschreibung der Stadien.
Ne, aber ich kann Ihnen was über die Stadt um das Stadion nennen.
Er grummelt und fährt fort, er wolle aber auch etwas über die Stars der angereisten Mannschaft haben.
Auch nicht, aber wie wäre es mit ein sieben Zeilen zu einem Mitglied der deutschen Weltmeistermannschaft von 1974?
Langsam ist der Mann irritiert. Vielleicht sind harte und brauchbare Fakten doch nicht so das, was man in einem Buchladen finden kann. Gäbe es denn irgendwas an Trivia, etwa über das leicht verunglückte Maskottchen oder den offiziellen Weltmeisterball, der ja diesmal so rund wie nie zuvor sein soll?
Nicht ganz. Aber Sie wollen doch bestimmt mal lesen, daß die Trainerakademie Köln in Köln ist, oder?
Weinend geht der Mann nach Hause.
(Online-PC Newsticker: Brockhaus Verlag macht Fussballwissen zur WM frei zugänglich)
Permalink Keine Einwürfe zugelassen
Manche Denkprozesse dauern etwas länger, wenn die Grundvoraussetzungen nicht so ganz stimmen. Spiegel Online, Tochter des Magazins mit den Kulturjournalisten, die auch mal grätschen können berichtet jetzt zeitnah, daß einer gewissen Partei nun die Lust aufs Demonstrieren vergangen ist. Die denkbar einfachste Erklärungsweise sind wohl verheulte Anhänger, die von ihren Gruppenleitern dazu verdonnert wurden, auf die Straße zu gehen, solange der Ball noch rollt.
In einer offiziellen Verlautbarung des NPD-Parteivorstandes heißt es, man habe „keinerlei Interesse daran, die bereits angespannte Sicherheitslage in Deutschland durch zusätzliche Demonstrationen während der WM zu gefährden“
Permalink Keine Einwürfe zugelassen